Inhaltsverzeichnis
Auflistung der Quellen in der Reihenfolge ihres Vorkommens inkl. Seitenangabe.
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1. Gedancken2. Sendschreiben3. Nachricht4. Erläuterung

Inhaltsverzeichnis

  • Winckelmann, Johann Joachim: Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst, Friedrichstadt, gedruckt bey Christian Heinrich Hagenmüller, 1755, S. 01-39
  • [Ders.]: Sendschreiben über die Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst, in: Ders.: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst, Zweyte vermehrte Auflage, Dresden und Leipzig, Im Verlag der Waltherischen Handlung, 1756, S. 45-89
  • [Ders.]: Nachricht von einer Mumie in dem Königlichen Cabinet der Alterthümer in Dreßden, in: ebd. S. 90-98
  • [Ders.]: Erläuterung der Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst; und Beantwortung des Sendschreibens über die Gedanken, in: ebd. S. 99-172

Exzerpte

Edition Winckelmann Exzerpte digital, hrsg. von Elisabeth Décultot und Martin Dönike für den philologisch-kritischen Teil – von Marcel Frey-Endres, Alicia Gesch, Sascha Heße, Paul Molitor, Andrea Rapp, Jörg Ritter und Torsten Schenk für den digitalen Teil der Edition, Version 1 vom 16. September 2024.

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Einleitung

Das Portal verfolgt zwei Ziele: (1) die digitale Edition einer exemplarisch ausgewählten kunsttheoretischen Schrift (J. J. Winckelmann, Gedancken über die Nachahmung, 2. Aufl., 1756), die mittels der Verknüpfung dreier Korpora – gelesene Quellen, Exzerpte aus diesen Quellen, gedruckte Schrift Winckelmanns – die Kette der textlichen Tradierung bzw. Transformation sichtbar macht; (2) die Entwicklung einer digitalen Methodik zum Auffinden semantischer Querverbindungen zwischen einer gegebenen Exzerptsammlung, den dafür verwendeten Quellen und einem oder mehreren daraus entstandenen Werken.

Exzerptsammlungen, die in der Literatur-, Wissenschafts- und Archivgeschichte bisher kaum wahrgenommen worden sind, sollen hiermit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und mit Hilfe der entwickelten digitalen Analysewerkzeuge neue Forschungen generieren.

Eine besondere Schärfung dürfte in diesem Zusammenhang die zentrale theoretische Frage erhalten, was Autorschaft überhaupt ausmacht und wie sich Autorschaft zu Begriffen verhält, die in der Neuzeit immer häufiger als deren Gegenpole verstanden werden, wie etwa Reproduktion, Nachahmung oder Plagiat. Wertvolle Impulse wird diese Edition insbesondere für eine neue Auseinandersetzung mit der Frage liefern, welche konkreten Prozesse der Entlehnung, Aneignung und Weiterverwendung von Gelesenem dem seit den 1960er Jahren in der Literaturwissenschaft verbreiteten Begriff der Intertextualität zugrunde liegen. Intertextualitätstheoretiker wie etwa Julia Kristeva oder Gérard Genette haben sich mit Exzerptsammlungen und exzerpierenden Praktiken nie befasst.

Winckelmann und das Exzerpieren

Als Autor zentraler Texte zur Kunsttheorie und ‑geschichte des 18. Jh. hat Winckelmann stets versucht, seine Originalität gegenüber seinen Vorgängern zu betonen, insbesondere dadurch, dass er sich als ein ‚connoisseur‘ stilisierte, der sein Wissen über die Kunst nicht aus gelesenen Büchern, sondern aus der Autopsie, der empirischen Betrachtung realer Kunstwerke bezog. Dementsprechend wird er bis heute gerne als Gründer der modernen Wissenschaften der Kunstgeschichtsschreibung und Archäologie gefeiert.

Gleichzeitig war aber Winckelmann ein eifriger Anhänger des Exzerpierens, dessen kognitive Potenziale er bei der Ausarbeitung seines neuen Konzepts einer Geschichte der antiken Kunst voll ausschöpfte: Seit seiner frühen Jugend hielt er wichtige Passagen aus gelesenen Büchern oder Nachzeichnungen von gesehenen Stichen schriftlich fest, die er zur Erarbeitung seiner ‚originalen‘ Werke und Gedanken ausgiebig auswertete.
Das Ergebnis dieser Exzerpiertätigkeit bildet ein Korpus von ungefähr 7.500 Seiten, das seit 1801 als Beute des napoleonischen Kunstraubs zum größten Teil in der Bibliothèque Nationale de France (BNF) in Paris und zu einem kleineren Teil in der Bibliothèque Universitaire Historique de Médecine in Montpellier aufbewahrt wird.
Einzelne Exzerpthefte befinden sich darüber hinaus in Deutschland und in Italien.

Ziel der digitalen Edition

Ziel dieser digitalen Edition ist es, die intertextuellen Bezüge genauer ins Auge zu fassen, die drei Korpora miteinander verbinden:

  1. Winckelmanns veröffentlichtes ‚Werk‘, die Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst;
  2. die handschriftlichen ‚Exzerpte‘, die er für die Arbeit an dieser ersten Publikation benutzt hat;
  3. die ‚Quellen‘, d.h. die Druckwerke, die er als Vorlage für seine Exzerpte benutzt hat.

In der vorliegenden digitalen Edition werden die Exzerpte, die er für die Arbeit an den Gedancken über die Nachahmung benutzt hat, sowohl als Image-Digitalisate des handschriftlichen Originals und als Transkriptionen präsentiert. Die für diese Exzerpte benutzten Quellen sind über einen Link zu den Digitalisaten der Vorlagen einsehbar. Überall dort, wo die Vorlage genau identifizierbar war, wird auf die von Winckelmann benutzte Edition verwiesen; wo mehrere Editionen möglich sind, wurde die wahrscheinlichste ausgewählt. Im Falle von Exzerpten aus griechischen und lateinischen Quellen, bei denen die konkrete Vorlage nicht zu identifizieren ist, wird auf eine moderne Edition verwiesen.

Konkret in den Blick genommen werden Winckelmanns Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst, die 1755 in einer ersten und 1756 in einer zweiten, um drei Texte erweiterten Ausgabe erschienen. Ziel dieser Ausgabe war es, seine eigenen Gedancken in einem von ihm selbst verfassten anonymen Sendschreiben anzugreifen und gleich darauf in der ebenfalls von ihm selbst verfassten Erläuterung zu verteidigen.
Dabei ermöglichte diese von Winckelmann bewusst inszenierte Scheindebatte es ihm nicht zuletzt, das in seinen Exzerpheften gesammelte Wissen insbesondere aus dem Kontext der Querelle des Anciens et des Modernes so intensiv und vollständig wie möglich auszuwerten.
Das Werk erfuhr sofort eine europaweite Resonanz und gilt gemeinhin als Gründungsurkunde des deutschen Neoklassizismus.

Mit der Verknüpfung der drei genannten Korpora anhand digital erzeugter und visualisierter Querbezüge soll die lange Kette der textlichen und bildlichen Tradierung bzw. Transformation in der Gesamtheit ihrer Formen von der originalgetreuen Übernahme (etwa ausgewiesene oder unausgewiesene Zitate bzw. Übersetzungen) bis hin zum weit entfernten ‚Nachklang‘ auffindbar, sichtbar und analysierbar gemacht werden. Dabei ist zu beachten, dass die im Portal angegebenen Querbezüge zwischen Exzerpt und publizierter Schrift dort, wo sie nicht von Winckelmann selbst explizit in Form etwa von Anmerkungen eindeutig belegt sind, lediglich als vom Exzerptmaterial nahegelegte Vermutungen anzusehen sind.

Die vorliegende Edition konzentriert sich auf die Bedeutung der Exzerpierpraxis für Winckelmanns Dresdener Schriften zur Nachahmung und bietet deshalb in erster Linie die diesbezüglichen Exzerpte und (schriftlichen wie auch bildlichen) Quellen. Für sachliche und inhaltliche Fragen sei deshalb hier auf die kommentierten Editionen Walter Rehms (KS), Helmut Pfotenhauers (BdK) und den entsprechenden Band in der Ausgabe von Winckelmanns Schriften und Nachlass (SN 9/1) verwiesen.

Vollständige Bibliographie

Ein erstes, in manchen Punkten lückenhaftes Inventar des Pariser Nachlasses der BNF publizierte der französische Germanist André Tibal 1911.
Das vorliegende Portal liefert ein vollständiges Inventar der transkribierten Hefte, das die Publikation von André Tibal korrigiert und ergänzt. Es liefert darüber hinaus zum ersten Mal ein bibliographisches Inventar der Exzerpte, die sich in Band H356 des Montpellier-Nachlasses befinden.

Zum transkribierten Werk Winckelmanns

Als Grundlage für die Transkription wurde für die Kernschrift der Gedancken über die Nachahmung die erste Auflage von 1755 genommen und für die drei zusätzlichen Texte des Sendschreibens über die Gedanken, der Nachricht von einer Mumie und der Erläuterung der Gedanken ebenfalls deren Erstauflage in der zweiten, vermehrten Auflage der Gedanken über die Nachahmung von 1756:

  • Winckelmann, Johann Joachim: Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst, Friedrichstadt, gedruckt bey Christian Heinrich Hagenmüller, 1755;
  • [Ders.]: Sendschreiben über die Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst, in: Ders.: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst, Zweyte vermehrte Auflage, Dresden und Leipzig, Im Verlag der Waltherischen Handlung, 1756, S. 45-89;
  • [Ders.]: Nachricht von einer Mumie in dem Königlichen Cabinet der Alterthümer in Dreßden, in: ebd. S. 90-98;
  • [Ders.]: Erläuterung der Gedanken von der Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst; und Beantwortung des Sendschreibens über die Gedanken, in: ebd. S. 99-172.

Zu den transkribierten Exzerpten

In dem umfangreichen Korpus von ca. 7500 Exzerptseiten, die überliefert wurden, wurden – mit wenigen Ausnahmen (vgl. etwa die nachweislich erst später entstandenen Notizen Winckelmanns in Montpellier Bd. H356/276, fol. 135r – H356/350, fol. 172r) – für die vorliegende Edition nur die Exzerpte transkribiert, die er vor der Veröffentlichung der Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst (1. Aufl. 1755; 2. Aufl. 1756) und möglicherweise mit Blick auf diese Publikation niedergeschrieben hat. Das vorliegende Korpus der transkribierten Exzerpte umfasst ca. 2200 Seiten.
Dabei muss allerdings betont werden, dass die genaue Datierung von Winckelmanns Exzerpten vielfache Probleme stellt. Recht selten notiert Winckelmann ein präzises Datum in seinen Heften. Dennoch ist es in vielen Fällen möglich, aufgrund der Papierqualität und der Wasserzeichen die in Deutschland verfassten Exzerpte von denen des italienischen Aufenthalts zu unterscheiden. In Nöthnitz benutzte Winckelmann ein ziemlich grobes, graues Papier mit holländischem Wasserzeichen, das sich gut erkennen lässt (Gegenmarke: I Villandry).
Aus dem Vergleich mit Briefen, in denen er seine Lektüren erwähnt, lassen sich weitere Exzerpte datieren. Hierbei muss hervorgehoben werden, dass einige der von André Tibal im Nachlass-Inventar von 1911 vorgeschlagenen Datierungen der Exzerpthefte nach unseren eigenen, anhand der handschriftlichen Originale durchgeführten Prüfungen fraglich bzw. fehlerhaft zu sein scheinen.

Editorische Richtlinien zu den Exerzpten

Die Exzerpttexte Winckelmanns wurden nach der Originalhandschrift buchstaben- und zeichengetreu inklusive von Streichungen, Korrekturen, Ergänzungen und Überschreibungen konstituiert. Um den Abgleich mit den ebenfalls bereitgestellten Digitalisaten der Handschrift zu erleichtern, wurde der Zeilenfall der Vorlage ebenfalls getreu abgebildet. Abkürzungen, Ligaturen, Kürzel sowie der Geminationsstrich über „n“ und „m“ wurden dagegen stillschweigend aufgelöst.

Als Grundlage für die Nummerierung der Exzerptseiten wird die fortlaufende Paginierung übernommen, die erst nach Winckelmanns Tod im Zuge der archivalischen Bearbeitung der Handschriften bei der Eingliederung in die Bestände der Aufbewahrungsinstitutionen entstanden ist.

Hinsichtlich der nicht immer einfachen Unterscheidung von Groß- und Kleinschreibung wurde versucht, einer der Originalhandschrift getreuen Wiedergabe den Vorzug zu geben und bei Zweifeln bezüglich der Minuskel- oder Majuskelform eines Buchstabens nach den Schreibgewohnheiten Winckelmanns zu entscheiden. Gleiches gilt für nicht immer eindeutig unterscheidbare Getrennt- und Zusammenschreibungen.

Zwecks besserer Lesbarkeit wurde bei der Wiedergabe der Exzerpte in lateinischer Handschrift wie auch derjenigen in deutscher (Kurrent-)Schrift typographisch nicht unterschieden: einzelne Worte oder Wortfolgen in lateinischer Schrift, die sich innerhalb von ansonsten in deutscher Schrift verfassten Exzerpten finden, sind jedoch durch Kursivierung vom übrigen Text typographisch abgesetzt. Nicht lesbare Stellen sind durch
kenntlich gemacht.

Editorische Richtlinien zu Winckelmanns gedrucktem Werk

Für die digitale Edition der vier Dresdener Schriften Winckelmanns aus den Jahren 1755-56 wurde der Zeilenfall des Originaldrucks beibehalten und offensichtliche Fehlschreibungen nicht korrigiert.
Von Winckelmann erwähnte Personen, Orte, Objekte und Ethnien sind im Text ausgezeichnet und per mouseover aktivierbar; im Falle von Kunstwerken und literarischen Werken wird auf entsprechende Bild- bzw. Textdigitalisate verlinkt. Symbole am Textrand verweisen auf innertextuelle Bezüge zwischen den drei Schriften Winckelmanns und verlinken auf Exzerpte, die den entsprechenden Passagen nachweislich bzw. höchstwahrscheinlich zugrunde liegen.

Zur Zitierweise der Edition

Die hier edierten Exzerpte Winckelmanns sollten nach dem folgenden Muster zitiert werden:

ExzW, Institution (Ort) [BNF (Paris) oder BU Historique de Médecine (Montpellier)], Exzerptband/Scannummer, Folionummer r (= recto) oder v (= verso), Zeile(n)

Beispiele:

ExzW, BNF (Paris), Bd. 61/9, fol. 1r, Z. 1-8.

ExzW, BU Historique de Médecine (Montpellier), Bd. H356/8, fol. 1r, Z. 1-5.